Ev.- Luth. Kirchgemeinde
Erdmannsdorf (Erzgeb.)


Historisches

In römisch-katholischer Zeit war Erdmannsdorf ein vielbesuchter Wallfahrtsort und das älteste Bethaus eine der Hl.Maria geweihte Kapelle. Die Kapelle erhielt 1513 den heute im Schlossberg-Museum in Chemnitz befindlichen geschnitzten Flügelaltar und wurde 1612 zum ersten Male erweitert zur Predigtkirche, denn seit 1545 wirkten in diesem Gotteshaus evangelische Prediger. Sie haben über 15tausend Kinder getauft, rund 3000 Paare getraut und ca. 13tausend Verstorbene bestattet.  Diese (alte) Kirche wurde 1736 noch einmal um 11 Ellen (ca. 6m) verlägert und in den Jahren bis 1774 mit einer neuen Orgel (von dem Augustusburger Orgelbaumeister Renckwitz), einer neuen Kanzel und einem neuen Altar ausgestattet. 1830 wurde die Orgelempore für Chor und Kurrende erweitert, dennoch war die Kirche für damalige Verhältnisse zu klein.



So fasste man 1834 den Beschluss für einen Neubau die Mittel zu sammeln. Hans Heinrich von Könneritz stellte den Bauplatz unentgeltlich zur Verfgung und die Kirchgemeinde trug mehr als ein Drittel der Baukosten Pfennig für Pfennig zusammen. Sechzig Jahre (fast zwei Generationen) späer erst war dieses Vorhaben an seinem Ziel. Am Pfingstdienstag, 7.Juni 1892 wurde der Grundstein zu unserer Trinitatiskirche gelegt, und am Montag, dem 2.Oktober 1893 fand die Kirchweihe statt. Architekt Schramm (Dresden) bergab den Kirchenschlssel an den damaligen `Kirchenpatron, Freiherr von Könneritz, dieser reichte ihn Superintendent Michael (Chemnitz) weiter, und der händigte ihn Pfarrer Gebauer aus, nunmehr das Portal zu öffnen. In seiner Kirchweihpredigt (ber Psalm 138,2 und 3) betonte er: Stätte der Anbetung und des Dankes und des vertrauensvollen Flehens soll dieses Haus sein für alle, die darin ein- und ausgehen.



War im Altarraum der alten Kirche altes gotisches Gewölbe erhalten, wurde die neue nunmehr im "neugotischen Baustil" errichtet. Verschlungene Pfade fürhrten zu diesem Baustil der "Neugotik". 1772 rühmte der junge Johann Wolfgang von Goethe die Kunst des Straßurger Münsters als "die einzige wahre, (wie) sie ausinniger, einiger, eigner, selbststädiger Empfindung um sich wirkt." Als er ein halbes Jahrhundert später sich wieder über Deutsche Baukunst äßrte, waren bereits die Bestrebungen im Gange, die dazu führten, dass der Kölner Dom in den Jahren 1842-80 endgültig fertiggestellt wurde. Die Erfahrungen der Kölner Dombauhütte beeinflussten nun die Ausbildung der Architekten - besonders am Polytechnikum in Hannover, wo Christian Schramm studierte, nach dessen Entwürfen unser Gotteshaus erbaut wurde. Der 1857 in Flensburg geborene Architekt brachte aus seiner norddeutschenHeimat die Anlehnung an die "Backstein-Gotik" mit.



So wurden die meisten seiner Kirchen in dem für ihn typischen Rohziegelbau errichtet (St. Nikolai und St Michaelis, Chemnitz, Lutherkirche, Limbach-Oberfrohna, Hartmannsdorf u.a.). Unsere Kirche gehöt zu den Ausnahmen: Der Kirchenvorstand konnte einem Rohziegelbau nicht zustimmen. Die Bauarbeiten führte die Chemnitzer Fa. Duderstät aus, wofür der Steinmetzbetrieb Lehnert in Flöha die behauenen Sandsteine lieferte, neben dem Zimmermeister Heidrich aus Chemnitz, waren der Dachdecker Magnus Wirth und der Dachklempner Robert Lange aus Erdmannsdorf tätig; Schmiedearbeiten führten Robert Felber, Erdmannsdorf, und Adolf Weißbach, Kunnersdorf aus. Am Einbau der Bildfenster der Hofglasmalerei Türke und Schiein, Zittau, war der hiesige Glasermeister Knoblauch beteiligt, und die Tischlerarbeiten fürhrten die Meister Richter und Thiele aus Flöha-Plaue und Richter von hier aus.



Orgel und Glocken, Holz- und andere Bildwerke, sowie Muster und Modelle kamen aus Dresden und München. Der gesamte Kostenaufwand betrug 143.061,96 (Gold-) Mark. Die spitzen Bögen und die großen farbigen Fenster sind die Elemente, die die Gotik kennzeichnen und wir in unserer Kirche wiederfinden.



Die farbigen Fenster verwandeln das natürliche Licht der Außenwelt gleichsam in ein übernatürliches Licht und die spitzen Bögen (und die hohen Säulen andernorts) sollen unseren Blick emporheben aus unseren Alltagsgedanken zu einer freudigen Gewissheit der Gnade und der Erlösung, zu einer Haltung des Befreitseins von alter Last und Qual, zum Leben aus Gottes Verheißung, wie sie uns die Bilder der Fenster leuchtend vor Augen stellen. Die Bildfenster im Altarraum geben die (Fest-Botschaften) von Weihnachten, Ostern und Pfingsten wieder, freilich nicht so, als wollten sie fotografisch abbilden, was einstmals geschehen ist. Sie sind gleichmäßig aufgebaut, in einem großen Mittelteil wird dargestellt, wie Gott sein Heil in der Welt bewirkte: (Gottes Sohn ist Mensch geborn... zu Bethlehem im Stall) "Christus ist auferstanden" "Gottes Geist kam mit Feuers Glut zur Erd". Darunter wird jeweils in zwei kleineren Bildern gezeigt, wie dieses Heilsgeschehen in unserer menschlichen Realität erfahrbar wird, mit Bildern von solchen biblischen Erzählungen, die sozusagen Gleichnisse für die Erfahrungen sind, die wir selbst mit Gott machen können. Und in der Rosette die das Fenster krönt, schildert der Künstler, die Bilder hat vermutlich Herr Türke selbst entworfen und der Architekt aus dem Katalog der Firma zusammengestellt, die Reaktion bzw. Mitwirkung der Engelwelt auf bzw. in Gottes Handeln: in staunender Anbetung versunken über dem Weihnachtsfenster, singen sie in der Rosette über dem Osterfenster den Siegeshymnus des Opferlammes (Offenb. 5, 9f). Und die Engel über dem Pfingstfenster gießen Gottes Geist, das Wasser des Lebens, "über die dürstende Erde". Im Pfingstfenster zum Beispiel wird das Kommen des Heiligen Geistes, "der Herr ist und lebendig macht", mit den Gleichnisbilden aus der Apostelgeschichte wiedergegeben: "ein mächtiges Rauschen wie ein Sturm" und "etwas wie Feuer, das sich zerteilte". Aber wir erleben diesen Gottesgeist,wie die unteren beiden Bilder zeigen, nicht in esoterischer Ekstase, sondern beim Hören auf Gottes Wort: Jesus ist Gottes Sohn, sein Wort ist Gottes Wort. Was das Volk bei Jesu Taufe hörte, gilt - auch für uns heute. Die Gültigkeit seines Wortes erweist sich im Zuspruch der Apostel für jenen Mann, der gelähmt und unfähig, sich selbst zu helfen, vor der Tempeltüre liegt: "Gold und Silber haben wir nicht, doch was wir haben, wollen wir dir geben. Im Namen von Jesus Christus aus Nazareth: Steh auf und geh umher!" Und sie fassten den Gelähmten bei der Hand und halfen ihm auf. - Wo neues Leben, neuer Mut Raum gewinnt, wirkt Gottes Geist. Mehr als einhundert Jahre sind seit der Erbauung unserer Kirche ins Land gegangen. Fünf Regierungsformen haben wir erlebt, zwei Kriege erlitten, mehrmals fast beim Nullpunkt angefangen. Die 1893 geweihten Glocken wurden für den ersten Weltkrieg eingeschmolzen, die 1922 erworbenen wurden ein Opfer des zweiten. 1960 erhielt der (bis zur Spitze) 54 m hohe Turm sein Geläut von drei Stahlglocken im Es-Dur-Dreiklang. In den Jahren 1959 bis 1964 wurde die Kirche innen und außen renoviert, und nach langem Warten fand der damalige Plan seine Erfllung; 1988 wurde eine neue Orgel der Firma Schuster, Zittau, in das originale neugotische Gehäuse eingebaut. Für zwei Manuale und Pedal hat sie 24 Register mit insgesamt 1600 Pfeifen, deren längste 5,10 m misst, während die krüzeste 17,7 mm klingende Länge hat. Die vom Sturm 1989 beschädigten Fenster des Altarraumes wurden wiederhergestellt durch die Münchener Hofkunstanstalt und Fa. Floßmann, Chemnitz (ermöglicht durch die großzügige Förderung der Denkmalsbehörden). Zwei Jahre hindurch halfen drei Mitarbeiter in einer ABM, die Kirche und ihr Gelände "auf Vordermann zu bringen". 1997 wurde der Vorplatz gepflastert. Es ist eine alte Regel, dass jede Generation das Ihre beitragen muss zur Erhaltung eines Hauses: Sie gilt auch für unser Gotteshaus.

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